Archiv der Kategorie 'Lesung'

Sa. 30. Nov.: Vortrag: Nachrichten aus dem Strafvollzug und Infos zur aktuellen Situation von Thomas Meyer-Falk

[Foto: Thomas Meyer-​Falk]

Thomas Meyer-​Falk, seit 1996 in Stuttgart Stammheim, Straubing, in der JVA Bruchsal inhaftiert, davon zehn Jahre in Isolationshaft gehalten und seit Juli 2013 auf unbestimmte Zeit in „Sicherheitsverwahrung“ in Freiburg berichtet seit Jahren mit seinen „Meldungen aus der Zelle 3117“ über Zustände und Realitäten aus dem deutschen Knastalltag. Die eingeschränkte Kommunikation, die in vielerlei Hinsicht fehlenden Sinneseindrücke und die ständigen Auseinandersetzungen um den Erhalt kleinster individueller Freiheiten haben seinen Blick auf das Wesentliche geschärft. In seinen Essays und Gedichten beschreibt Thomas Meyer-​Falk eine Welt, die erstaunliche Parallelen zu unserem eigenen Alltag aufzeigt. Abseits von Schuld, Reue und Sühne bezieht sein Buch klar Stellung zu aktuellen Entwicklungen in den Justizvollzugsanstalten, auch wenn es einigen Leuten nicht passt…

Der Schauspieler und Sprecher Uwe Neubauer, in ständigem Kontakt und Zusammenarbeit mit Thomas Meyer-​Falk, liest aus dem im Blaulicht-​Verlag erschienenen Buch „Nachrichten aus dem Strafvollzug“ und gibt einen aktuellen Überblick über Thomas und den Kampf für dessen Freilassung.

Eine Veranstaltung im Rahmen der Kampagne Zeit für Plan A der AFRR.


So. 24. Nov.: Lesung mit Martin Sudermann aus seinem neuen Krimi „XXX“

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Zum Inhalt nur so viel:

Oktober 2010. Zwei Tage nach einem von heftigen Auseinandersetzungen begleiteten Castor-Transport wird die Leiche eines Demonstranten im Wendland entdeckt. Holger Becker, 54 Jahre alt, soll in einem knöcheltiefen Bach ertrunken sein. Seine Freunde glauben keine Sekunde an diese Geschichte. Auch der Journalist Thomas Krüdewagen nicht. Auf der Beerdigung beschließt er, dem Rätsel auf den Grund zu gehen. Thomas’ Recherchen erweisen, dass Holger all die Jahre aktiv war und sich mächtige Feinde gemacht hat: BKA, Staatsschutz und nicht zuletzt den Energiekonzern WEAG. Aber warum musste Holger sterben?

Schauplätze des Krimis sind das Wendland, eine westdeutsche Großstadt, das Elsaß und die Türkei.


Fr. 15. Nov.: Freiheit ist heute schon da – Ein Genderblick zurück

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[Icon: Volxküche]

Die Diskussion um die männliche Dominanz in politischen Gruppen bleibt auch den anarchistischen Kreisen nicht erspart, da sie ebenso davon betroffen sind. Mit der Veranstaltung „Freiheit ist heute schon da“ wird ein Blick gewagt auf das Liebesverhältnis eines Anarchisten zu einer jungen Frau vor hundertzwanzig Jahren. Vielleicht bietet dieser historische Blick auf damalige Verhaltensweisen und Denkstrukturen die Möglichkeit, eine Kritik an männlichem und weiblichem Verhalten zu entwickeln, die auch den anarchistischen Diskurs weiterbringt.

„Freiheit ist heute schon da“

Gustav Landauers Briefe an Clara Tannhauser aus dem Jahr 1892

Die vorliegenden Briefe und Tagebuchaufzeichnungen Landauers stammen aus einer Phase, die Landauers amerikanischer Biograph Eugene LunnThe education of an anarchist“, die Ausbildung zum Anarchisten, genannt hat. Landauer, gerade mal 22 Jahre alt, stand damals im Übergang vom Studenten zum Schriftsteller und „Antipolitiker“ (wie er sich seit 1897 nannte), im Übergang auch von dem bürgerlichen Idyll seiner süddeutschen Heimat zu der von Industriebetrieben und Klassengegensätzen geprägten Reichshauptstadt Berlin, wo er die nächsten 25 Jahre seines Lebens zubringen wird. In dieser Phase verliebt er sich in die 20-jährige Clara Tannhauser aus Buttenhausen, der Heimat seines Vaters, lässt sich daraufhin im benachbarten Urach nieder, um seinen Roman „Der Todesprediger“ zu vollenden, und verlobt sich „im Stillen“ mit ihr. Clara war die Tochter eines jüdischen Viehhändlers, ihre Eltern waren konservative und gläubige Juden und durften natürlich nichts von dieser Verbindung wissen. Landauer war damals inspiriert von den Schriften Nietzsches und Stirners, aber auch von der „freien Liebe“, die von Sozialdemokrat*innen und Anarchist*innen gleichermaßen propagiert wurde. Ausgehend von einzelnen Briefabschnitten wäre zu fragen: Was verstand man damals unter „freier Liebe“? Welchen Spielraum hatte Landauer, um eine „freie Liebe“ jenseits staatlicher und sozialer Zwänge zu leben, und wie nutzte er diesen? Welche Rollenerwartungen richtete Landauer an sich und seine Geliebte? Und schließlich: Was für eine Funktion nimmt später in Landauers Anarchismus die Ehe ein, die er gegen seinen Freund Erich Mühsam verteidigt?

Eine Veranstaltung im Rahmen der Kampagne Zeit für Plan A der AFRR in Kooperation mit Transistor.

Es wird eine Vokü (kostengünstiges veganes Essen) angeboten.

Das Buch in der Gustav-Landauer-Bibliothek:

  • Christoph Knüppel (Hg.):
  • „Sei tapfer und wachse dich aus.“
  • Gustav Landauer im Dialog mit Erich Mühsam: Briefe und Aufsätze
  • Lübeck: ,
  • ISBN: 3931079325
  • Signatur: b-land-2-2-4
  • Schlagworte: Anarchismus, Biografie, Brief, Gustav-Landauer-Sammlung
  • Reihe: Schriften der Erich-Mühsam-Gesellschaft (24)
  • 232 Seiten


Mo. 14. Okt.: Revolte gegen die Vernichtung – Der Aufstand in Sobibór

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Am 14. Oktober 1943, nachmittags um 16 Uhr, sollte ein Aufstand im Vernichtungslager Sobibór, das im heutigen Polen liegt, beginnen. Dieses Lager war eines der drei Vernichtungslager der „Aktion Reinhardt“. In ihnen wurden 1942/43 etwa 1,3 Millionen Juden und Jüdinnen ermordet. Aus den nach Sobibór deportierten Menschen selektierten die Nazis etwa 600 Jüdinnen und Juden für die Arbeit im Lager. Sie mussten das Gepäck der Deportierten aus den Deportationszügen entladen, den ankommenden Menschen die Haare scheren, die Leichen aus den Gaskammern zerren, nach Wertgegenständen durchsuchen und zu den Verbrennungsgruben bringen. Den sicheren Tod vor Augen, organisierten sie einen Aufstand. Sie konnten etliche der SS-Wachen töten, fast 400 Insassen gelang die Flucht. Als Reaktion auf den Aufstand lösten die Nazis das Vernichtungslager auf und versuchten, alle Spuren zu beseitigen. Heute befindet sich dort eine kleine Gedenkstätte, deren Existenz immer gefährdet war und die immer wieder von Neonazis beschädigt wurde. Der Name Sobibór war 2010/2011 häufiger in den deutschen Medien zu lesen, als John Demjanjuk, einer der Wächter aus Sobibór, in München vor Gericht stand. Einer der Überlebenden des Aufstands sagte als Zeuge gegen ihn aus und ging dabei auch auf den Aufstand ein.

Aus Anlass des 70. Jahrestags zeigt das Trotz Allem das Filmporträt eines der Überlebenden des Aufstands und stellt ein neues Buch mit Berichten von am Aufstand Beteiligten vor.


Fr. 15. Feb.: Der „Nationalsozialistische Untergrund“ und der deutsche Staat – „die Pannen“ und das System

Nationalsozialistischer Untergrund - Explosion in Zwickau 2011 1 (aka)

Wahrscheinlich im April 2013 eröffnet das OLG München den Prozess gegen Beate Zschäpe. Nach dem Willen aller Strafverfolger und Aufklärer ist Beate Zschäpe das letzte überlebende Mitglied der neonazistischen Terrortruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU). Mit ihrer Verurteilung ist zu rechnen. Und auch damit, dass die Akte NSU geschlossen wird. Dreizehn Jahre will niemand in den zahlreichen Strafverfolgungsorganen gewusst haben, dass es die neonazistische Terrortruppe gibt. Als dies nicht mehr zu verheimlichen war, wussten alle, dass der NSU aus exakt drei Mitgliedern bestand. Nicht aus fünf, nicht aus zwanzig, nicht aus unbekannt vielen, sondern aus exakt drei.

Der Autor Wolf Wetzel hat intensiv recherchiert und nachgeforscht. Er belegt, dass die einflussreichsten Helfer des NSU nicht aus den Reihen der neonazistischen Kameradschaften oder aus den offiziell verbotenen Blood & Honour-Gruppierungen kamen, sondern aus dem staatlichen „Sicherheits“-Apparat selbst. Während lauthals eine lückenlose Aufklärung versprochen wird, reiht sich ein „einmaliger Vorgang“ an den anderen: Vertuschungen, Täuschungen, Vernichtung und Unterschlagung von Beweismitteln, Aktenmanipulationen, Falschaussagen usw. Wetzel analysiert die Vorgänge und fordert eine Debatte, die z. B. folgende Fragen behandelt: Um was für einen Staat handelt es sich heute? Um einen Überwachungsstaat? Um einen „tiefen“ Staat, in dem sich Staatsterrorismus und demokratische Wahlen nicht ausschließen? Um einen Staat, der operative Kerne herausgebildet hat, die weder institutionell legitimiert sind, noch parlamentarisch kontrolliert werden? Um einen postdemokratischen Staat? Oder gar um eine Faschisierung von oben? Wolf Wetzel plädiert für eine Veränderung der herrschenden Verhältnisse, die über die auch von bürgerlichen Kreisen erhobene Forderung nach Abschaffung der Geheimdienste hinausgeht.