Archiv der Kategorie 'Lesung'

Fr. 29. April: Schwarzer Tresen: Johann Mosts antireligiöse Hetzschrift „Die Gottespest“

[Zeichnung: Befreie deinen Verstand]
[Icon: mit Essen]

„Je mehr der Mensch an Religion hängt, desto mehr glaubt er. Je mehr er glaubt, desto weniger weiß er. Je weniger er weiß, desto dümmer ist er. Je dümmer er ist, desto leichter kann er regiert werden!“ Dem Anarchisten Johann Most fiel es noch nie schwer deutliche Worte zu finden. Sein 1887 erschienenes Werk „Die Gottespest“ strotzt nur so vor witzigen Gotteslästerungen und direkten Angriffen gegen den religiösen Glauben, seine kirchlichen Missionare und folgsamen Schafe. Umso erstaunlicher ist die Präzision und Scharfsinnigkeit mit der Most die Idee eines allmächtigen Gottes auseinander nimmt. Gekonnt zeigt er auf warum der Glaube seit jeher nichts anderes ist als ein Mittel zur Verdummung der Menschheit und damit zur Erhaltung der Macht, um dann im sozialrevolutionären Sinne den Herrschenden den Krieg zu erklären.

Wir möchten euch zu einer theatralischen Lesung dieser Schrift einladen um danach über Johann Mosts Thesen und allgemein über Religion und Glaube zu diskutieren. Vorher gibt es ab 19:00 Uhr leckeres (veganes) Essen gegen Spende.

, mit Essen

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Fr. 5. Februar: Mit Baumhäusern gegen Bagger – Aktiv für den Hambacher Forst

[Buchcover: Mit Baumhäusern gegen Bagger]

Der Hambacher Forst, Mitteleuropas letzter „Urwald“, wird gerodet durch Europas größten Klimakiller – RWE. Die Folgen davon sind verheerend und sind sowohl regional in Form von Naturzerstörung, Zwangsumsiedlungen und Gesundheitsschäden als auch global durch Klimawandel und Flucht zu spüren. All das für völlig veraltete Kohle und einen Konzern, der die Energiewende verschlafen hat.

Um dem ein Ende zu setzen, besetzten vor mehr als drei Jahren Umweltaktivist*innen den bedrohten Wald. Im Sommer 2015 veröffentlichten die Besetzer*innen das Buch „Mit Baumhäusern gegen Bagger“ über diesen Widerstand. Eine Mitautor*in und Waldbesetzer*in liest aus dem Buch und auch für Fragen und Diskussionen wird es Zeit geben. Warum ist der Hambacher Forst so besonders? Wo liegt der Unterschied zwischen legitim und legal? Wie lassen sich Sabotage und direkte Aktionen moralisch begründen? Wie fühlt es sich an aus einem Baumhaus geräumt zu werden, in dem man monatelang gelebt hat? Und wie kann man mit Polizeigewalt umgehen?


So. 22. November: Cartoon-Abend: „Liturgische Lesungen zu den Letzten Dingen“

Rick and Morty

„Ohne Lächeln kommt der Mensch, ohne Lächeln geht er. Drei fliegende Minuten lang war er froh.“ –Jean Paul

Cartoon-Abend mit Rick und Morty.


Fr. 26. Dez.: Schwarzer Tresen: Weihnachtsgeschenketauschaktion mit Erich-Mühsam-Lesung

Reading the Christmas mail (HS85-10-32285)
[Icon: mit Essen]

Der Schwarze Tresen muss leider ausfallen.

An diesem Tag könnt Ihr Eure Geschenke ins Trotz bringen und tauschen, bis zusammen gehört, was zusammen passt. Derweil stellen Thomas Nückel und Michael Banos ein neues Buch mit Erich-Mühsam-Texten vor.

Wo ist Nolo heute?

„Nolo“ will ich mich nennen – nolo: Ich will nicht! Nein, ich will in der Tat nicht! Nein, ich will nicht mehr all die unnötigen Leiden sehn, deren die Welt so übervoll ist; mich all den Torheiten fügen, die uns die Freude rauben und das Glück in all den Ketten hängen, die unsere Füße hindern auszuschreiten und unsere Hände zuzugreifen. Ich will nicht mehr mit ansehen, wie ungerecht und chaotisch des Lebens höchste Güter – Kunst und Wissen, Arbeit und Genuss, Liebe und Erkenntnis – verstreut liegen. Ich will nicht mehr – nolo!

Aus jedem Satz, aus jedem Wort soll der Name klingen, den ich von nun an führen will, der mir Kampfgeschrei und Siegfanfare sei: Ich will nicht! Nolo – Nolo – Nolo!

Diese Worte von Erich Mühsam von 1902 (!) sind für ihn lebenslang Programm und Verpflichtung geblieben.

80 Jahre nach seiner Ermordung durch die Nazis erschien ein Lesebuch über Mühsams lebenslangen Kampf für Gerechtigkeit und Kultur mit Texten aus seinem reichhaltigen Werk, die bis heute nichts an ihrer politischen Aktualität verloren haben. Neben einigen Mühsam-Klassikern enthält diese Sammlung auch bislang unveröffentlichte Gedichte, Auszüge aus längeren Werken, ausgewählte Briefe und die Beschreibung seiner letzten Tage aus der Feder seiner Frau Zenzl.

, mit Essen


So. 8. Dez.: Jahresabschlussveranstaltung mit Lesung: Christian Geissler: Wird Zeit, dass wir leben

Christian Geissler (Portrait auf einem Porzellanbild)

„Wird Zeit, dass wir leben“ – Lesung mit Michael Banos und Thomas Nückel aus dem gleichnamigen, neuaufgelegten Buch Christian Geisslers

Christian Geissler wurde am 25. Dezember 1928 in Hamburg geboren. Nach einem nie abgeschlossenen Studium der Theologie, Philosophie und Psychologie in Hamburg, Tübingen und München arbeitete er ab 1956 als freier Schriftsteller. Geissler arbeitete u. a. beim NDR, war Mitherausgeber der linken Literaturzeitschrift Kürbiskern, Dokumentarfilmer und Dozent an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin.

Neben seinem Debüt „Anfrage“ (1960) ist „Kamalatta“ (1988) sein bekanntester Roman. Er lebte zumeist in Hamburg und Ostfriesland und starb am 26. August 2008. Außer seinen Romanen veröffentlichte Geissler zahlreiche Hörspiele, Dokumentarfilme und Lyrik-Bände.

In „Wird Zeit, dass wir leben“ erzählt Christian Geissler mit „balladenhaft-lyrischer Präzision“ (Heinrich Böll) vom Widerstand der Kommunisten gegen die Nazis in Hamburg. Als ob er mitten im Geschehen steckt, begleitet er seine Figuren durch die Kämpfe vor und nach 1933. Er erzählt von Gewalt von oben und Gegenwehr von unten, vom Spannungsverhältnis zwischen Kollektiv und Individuum, zwischen Disziplin und Eigensinn – und zieht den Leser in die immer noch aktuellen Debatten mit hinein.

Schlosser ist Funktionär der KPD. Bis zu seiner Verhaftung bremst er den Eifer der Genossen im Kampf gegen die Nazis, verweigert die Waffen und pocht auf Disziplin. Die Genossen von der Basis aber wollen kämpfen. Kämpfen bedeutet für sie Lust und Leben. Vor allem für Karo, aber auch für Leo, der noch 1930 zur Polizei geht, aber später begreift, dass er auf der falschen Seite steht.

Geisslers Roman basiert auf einer wahren Geschichte: Das Vorbild für Leo war der Hamburger Polizist Bruno Meyer, der Anfang 1935 die Widerstandskämpfer Fiete Schulze und Etkar André aus dem Gefängnis befreien wollte. Detlef Grumbach recherchierte umfassend und erzählt in seinem Nachwort erstmals vom Schicksal Bruno Meyers.

Die Veranstaltung ist gleichzeitig die Jahresabschlussveranstaltung des Trotz Allem. Alle, die noch etwas Lukullisches dazu beisteuern wollen, mögen dies einfließen bzw. einbröseln lassen.

Bücher von Christin Geissler in der Gustav-Landauer-Bibliothek