Archiv für Oktober 2013

Mi. 20. Nov.: Film: „Nicht wiedergekommen“

Mahnmal für Sinti und Roma (Magdeburg-Altstadt).ajb

Gedenkstätte für die von 1933 bis 1945 verfolgten Magdeburger Sinti und Roma

[Icon: Volxküche]

ein Film der Medienwerkstatt des Alternativen Jugendzentrums Dessau

Von 27 Angehörigen der Korbmacherfamilie Franz, deren Heimat bis zum Beginn des Völkermordes Magdeburg und der Fläming waren, überlebten lediglich vier Personen. Die Orte, an denen Familienmitglieder litten und starben, stehen für unvorstellbares Leid: Magdeburg-Holzweg, Sachsenhausen, Lichtenburg, Ravensbrück, Mauthausen, Dachau, Neuengamme, Bernburg, Buchenwald, Auschwitz-Birkenau, Mittelbau-Dora, Bergen-Belsen

Wald-Frieda Weiss, geborene Franz, erinnert in der Dokumentation schmerzlich an den Verlust ihrer Mutter, mit der sie gemeinsam viele Jahre in den Konzentrationslagern Lichtenburg und Ravensbrück litt, bis Franziska Franz in der Bernburger Gaskammer ermordet wurde, sowie an den geliebten Vater Gustav Franz, der im Konzentrationslager Mauthausen an den Folgen der Misshandlungen starb.

Es wird eine Vokü (kostengünstiges veganes Essen) angeboten.


Di. 19. Nov.: „Da.Sein“ – Filmvorführung und Gespräch mit dem Filmteam von Afrique Europe Interact

Im Mittelpunkt des Dokumentarfilms Da.Sein stehen die Schicksale von Menschen, die „da“ gelebt haben und abgeschoben wurden. Ihre Geschichten werden in Dialog gesetzt mit denen von Freund_innen und Angehörigen, die „da“ geblieben sind.

Die Schauplätze von Da.Sein sind u. a.: Sokodé, zweitgrößte Stadt Togos, in den 1990er Jahren Widerstandshochburg gegen das repressive Regime von Präsident Gnassingbé Eyadéma, die 20-Millionen-Metropole Lagos aus der Perspektive eines Hinterzimmers, eines Fußballplatzes und eines fahrenden Autos, ein Refugee-Protestcamp in Hamburg. Wien: Ottakring, Favoriten, Westbahnhof, eine Sportanlage

Unter den Protagonist_innen: eine Krankenpflegerin und ihr Sohn, ein Fußballspieler, ein ehemaliger Chauffeur, der gerne Busfahrer wäre, die Betreiberin einer kleinen Schneiderei, eine Bleiberechtsaktivistin und Familienversorgerin, ein beliebter Party-DJ. Mit ihnen haben Aylin Basaran und Hans-Georg Eberl Interviews geführt und sie einen Monat lang mit der Kamera in ihrem Alltag begleitet. Die Erzählungen handeln von traumatischen Gewalterfahrungen und auseinandergerissenen Beziehungen, von verlorenen Hoffnungen und Rechten. Von behördlichem Rassismus und Zermürbungsterror „da“ und politischer Verfolgung „dort“, aber auch von Widerstand und Solidarität. Und von Versuchen, sich durch den erzwungenen Bruch im eigenen Leben nicht unterkriegen zu lassen.

Die Abschiebung von Menschen aus Europa ist alltägliche institutionelle Praxis. Da.Sein will eine Plattform sein für jene Stimmen, die Teil der europäischen Gesellschaften waren, aber durch das gewaltsame Herausreißen unsichtbar gemacht wurden. Der Film behauptet keinen Anspruch dokumentarischer Neutralität, sondern verschreibt sich einer parteiischen und solidarischen Perspektive, ohne dabei den Blick für die unterschiedlichen Facetten subjektiver Erfahrungen und Handlungsstrategien seiner Protagonist_innen zu verlieren.

Afrique-Europe-Interact ist ein kleines, transnational organisiertes Netzwerk, das Anfang 2010 gegründet wurde. Beteiligt sind BasisaktivistInnen vor allem aus Mali, Togo, Deutschland, Österreich und den Niederlanden – unter ihnen zahlreiche selbstorganisierte Flüchtlinge, MigrantInnen und Abgeschobene.“ – afrique-europe-interact.net


Fr. 15. Nov.: Freiheit ist heute schon da – Ein Genderblick zurück

RadicalRelationsHeart
[Icon: Volxküche]

Die Diskussion um die männliche Dominanz in politischen Gruppen bleibt auch den anarchistischen Kreisen nicht erspart, da sie ebenso davon betroffen sind. Mit der Veranstaltung „Freiheit ist heute schon da“ wird ein Blick gewagt auf das Liebesverhältnis eines Anarchisten zu einer jungen Frau vor hundertzwanzig Jahren. Vielleicht bietet dieser historische Blick auf damalige Verhaltensweisen und Denkstrukturen die Möglichkeit, eine Kritik an männlichem und weiblichem Verhalten zu entwickeln, die auch den anarchistischen Diskurs weiterbringt.

„Freiheit ist heute schon da“

Gustav Landauers Briefe an Clara Tannhauser aus dem Jahr 1892

Die vorliegenden Briefe und Tagebuchaufzeichnungen Landauers stammen aus einer Phase, die Landauers amerikanischer Biograph Eugene LunnThe education of an anarchist“, die Ausbildung zum Anarchisten, genannt hat. Landauer, gerade mal 22 Jahre alt, stand damals im Übergang vom Studenten zum Schriftsteller und „Antipolitiker“ (wie er sich seit 1897 nannte), im Übergang auch von dem bürgerlichen Idyll seiner süddeutschen Heimat zu der von Industriebetrieben und Klassengegensätzen geprägten Reichshauptstadt Berlin, wo er die nächsten 25 Jahre seines Lebens zubringen wird. In dieser Phase verliebt er sich in die 20-jährige Clara Tannhauser aus Buttenhausen, der Heimat seines Vaters, lässt sich daraufhin im benachbarten Urach nieder, um seinen Roman „Der Todesprediger“ zu vollenden, und verlobt sich „im Stillen“ mit ihr. Clara war die Tochter eines jüdischen Viehhändlers, ihre Eltern waren konservative und gläubige Juden und durften natürlich nichts von dieser Verbindung wissen. Landauer war damals inspiriert von den Schriften Nietzsches und Stirners, aber auch von der „freien Liebe“, die von Sozialdemokrat*innen und Anarchist*innen gleichermaßen propagiert wurde. Ausgehend von einzelnen Briefabschnitten wäre zu fragen: Was verstand man damals unter „freier Liebe“? Welchen Spielraum hatte Landauer, um eine „freie Liebe“ jenseits staatlicher und sozialer Zwänge zu leben, und wie nutzte er diesen? Welche Rollenerwartungen richtete Landauer an sich und seine Geliebte? Und schließlich: Was für eine Funktion nimmt später in Landauers Anarchismus die Ehe ein, die er gegen seinen Freund Erich Mühsam verteidigt?

Eine Veranstaltung im Rahmen der Kampagne Zeit für Plan A der AFRR in Kooperation mit Transistor.

Es wird eine Vokü (kostengünstiges veganes Essen) angeboten.

Das Buch in der Gustav-Landauer-Bibliothek:

  • Christoph Knüppel (Hg.):
  • „Sei tapfer und wachse dich aus.“
  • Gustav Landauer im Dialog mit Erich Mühsam: Briefe und Aufsätze
  • Lübeck: ,
  • ISBN: 3931079325
  • Signatur: b-land-2-2-4
  • Schlagworte: Anarchismus, Biografie, Brief, Gustav-Landauer-Sammlung
  • Reihe: Schriften der Erich-Mühsam-Gesellschaft (24)
  • 232 Seiten


Sa. 9. Nov.: Jahrestag der Reichspogromnacht

Witten Synagoge

ehemalige Wittener Synagoge

Die Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Reichspogromnacht mit Kranzniederlegung findet in diesem Jahr um 17:00 Uhr am Ort der ehemaligen Synagoge statt.

, Ecke Breite Straße/Synagogenstraße


Mi. 6. Nov.: Vortrag: Antiziganismus

Dillmanns Zigeuner-Buch 1905

Titelseite des Zigeuner-Buchs von Alfred Dillmann von 1905

Antiziganismus ist ein weit verbreitetes und aktuelles Phänomen, das in den westlichen Gesellschaften tief verankert ist. In nahezu allen Staaten Europas werden Menschen als „Zigeuner“ stigmatisiert, häufig kriminalisiert, diskriminiert und von gewalttätigen Übergriffen bedroht. Klischees gegen Sinti und Roma überdauern Jahrhunderte und werden den aktuellen gesellschaftspolitischen Gegebenheiten immer wieder angepasst – der Begriff „Rassismus gegen Sinti und Roma“ wird jedoch nicht verwendet, weil antiziganistisch eingestellte Menschen gar nicht von Sinti und Roma sprechen, sondern in ihren Köpfen der Begriff „Zigeuner“ eingebrannt ist. Beim Antiziganismus gibt es im Vergleich zum Antisemitismus kein Tabu, keine Wahrnehmung dafür, was gesagt werden darf und was nicht und es finden keine gesellschaftlichen Sanktionen für Antiziganismus statt. Dennoch wird das Thema, abgesehen durch Selbstorganisationen von Roma und Sinti, erschreckend wenig behandelt. Es mangelt an politischen und theoretischen Analysen. Dies gilt auch für eine linke Kritik, die oft nicht über moralische Empörung hinaus geht.